Samstag, 23. September 2017

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Die Geschichte der Jugend - der Ehrenkommandant blickt zurück

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Die Jugendfeuerwehr als Unterabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Garching wurde bereits im Februar 1985 von aktiven und engagierten Kameraden gegründet. Im Jahre 2005 konnten wir somit bereits unser 20 jähriges Bestehen und im Jahre 2010 das Vierteljahrhundert feiern.

Anläßlich der 20-Jahr-Feier hielt Ehrenkommandant HBM Prof. Dr. H.-G. Hegering die Festrede und blickte auf die vergangenen Jahrzehnte zurück:

 

 

 " Als mir die Tatsache „20 Jahre Jugendfeuerwehr" bewusst wurde, die natürlich Grund und Anlass genug sind, nicht nur in der eigenen Feuerwehr zu feiern, sondern auch den Kreisjugendfeuerwehrtag in Garching durchzuführen, fragte ich mich zunächst: „erst" oder „schon" 20 Jahre?

Die Überlegung „erst" betrifft die Frage, warum nicht schon längst früher eine Garchinger Jugendfeuerwehr? Nun, die Notwendigkeit einer organisierten Jugendarbeit sah man zuvor nicht gegeben. Zwei Tatsachen haben dazu beigetragen: zum einen war es bis zu der Zeit, zumindest in ländlichen Gebieten, üblich, dass man als Einheimischer mit spätestens 18 Jahren zur Feuerwehr ging, wo man sofort ohne Sondermaßnahmen in die aktive Mannschaft integriert wurde. Diese Selbstverständlichkeit vererbte sich sozusagen von Generation zu Generation; daher gibt und gab es geradezu Feuerwehr-Familiendynastien, und das nicht nur in Garching. Gerade in den 70er Jahren fanden aber strukturelle Veränderungen statt, die auch Garching betrafen. Die Bevölkerungsstruktur änderte sich stark durch Zuzug, was zu einem gewissen Verlust an Bodenständigkeit und Ortsbezogenheit beitrug. Ferner änderte sich die schulische Ausbildungsstruktur und Berufsstruktur der Jugendlichen sowie die Mobilität. Kurz gesagt, die Kandidatenmenge für den Feuerwehrnachwuchs änderte sich, die Feuerwehr musste erstmalig gezielt um Aktive werben. Und es gab eine zweite grundlegende Änderung seit einer Neufassung des Feuerwehrgesetzes Anfang der 80er Jahre: Jugendliche ab 14 Jahren konnten als Feuerwehranwärter offiziell in die öffentlich-rechtliche Organisation Feuerwehr aufgenommen werden. Damit war eine rechtliche Basis gegeben, die geeignet Belange des Jugendschutzes, der geordneten Ausbildung, des Haftungsrechtes, der erforderlichen Ausstattung usw. berücksichtigte. Daraufhin entwickelten sich überall Jugendfeuerwehrgruppen, natürlich auch in Garching. Doch darauf komme ich noch weiter unten zu sprechen.

Die Überlegung „schon" von oben besagt einerseits, dass die Zeit so rasch vergeht und wir uns, jedenfalls viele, noch gut an die Anfänge der Jugendarbeit erinnern können, als wäre das erst neulich gewesen. Andererseits können wir stolz sein auf die Kontinuität der Jugendarbeit, die mit großem Erfolg nun schon zwei Dekaden anhält. Denn erst beim zweiten Nachdenken zum Jubiläumsanlass fällt auf, dass ca. ¾ aller derzeitigen Aktiven „Früchte" der Jugendfeuerwehr sind. Also ein weiterer Beweis der jüngst im Wahlkampf wieder so oft beschworenen Formel „Die Jugend ist unsere Zukunft".

Lasst uns also nach diesem Vorspann einen Rückblick auf 20 Jahre Jugendfeuerwehr Garching tun. Im Februar 1985 fing es an. Die damalige Führungsriege unter Leitung von Kommandant Adolf Fritz entschloss sich zur offiziellen Einrichtung einer Jugendfeuerwehr. Diesem formellen Schritt waren schon gute Erfahrungen in der speziellen Ausbildung von jungen Aktiven in unserer Wehr unter LM Georg Feuersteiner im Jahr 1983/84 vorausgegangen. Für die Pionierarbeit eines ersten „amtlichen" Jugendleiters der FF Garching war schnell Josef Kink ausgeschaut, der damals schon 11 Jahre aktiv war. Mit Spannung sah man der ersten Jugendgruppe entgegen. Es meldeten sich 8 Jugendliche, darunter die heute noch aktiven Hans Kastenmüller jun. und Franz Wicklmayr. Mit viel Elan und Engagement machte sich Kink Sepp an die Arbeit, das „Einmaleins" des Feuerwehrmannes an die neuen Floriansjünger weiterzugeben. Das Arbeitskonzept bestand in einer Mischung aus Einüben von Feuerwehrtechnik und allgemeiner Jugendgruppentätigkeit wie Radlausflügen, Zeltlager, Grillen und Spielen. Bereits am 25.10.1985 wurde in Garching das erste Jugendleistungsabzeichen der neuen Jugendgruppe erworben. Die Gruppe war begeistert bei der Sache und das begeisterte damals auch uns, so dass gleich Anfang 1986 eine neue weitere Jugendgruppe gegründet und ausgebildet wurde. Von dieser Gruppe sind heute noch Florian Baierl, Albert Biersack und Heiner Hegering aktiv.

1986 trat die Feuerwehr Garching mit ihren Jugendlichen erstmals sichtbar in die Öffentlichkeit. Aus vielen Fundfahrrädern wurde ein 10-sitziges Superfahrrad, der „Kett-alysator" als Löschgefährt gebaut und bei der Bürgerwoche mitgeführt. Damit wurde auf Anhieb der 1. Preis 1987 gewonnen. Das Gefährt vertrat die Jugendfeuerwehr Garching auch bei Festumzügen in Freising und in München. 1986 fand ebenfalls das erste Hüttenwochenende der Jugend in Kramsach/Tirol statt. Hüttenwochenenden sind seitdem fester Programmbestand für unseren Nachwuchs.

Schon bald hatten wir bemerkt, dass gründliche Jugendarbeit personalintensiv ist und bei Ausflügen sowie Erproben und Einüben von Feuerwehrtechnik viele unterstützende Hände und kontrollierende Augen benötigt werden. Schließlich existierten ja mehrere Jugendgruppen mit unterschiedlichem Ausbildungsstand parallel. Somit wurden bald weitere Jugendbetreuer zur Unterstützung von Sepp Kink bestellt, zunächst Manfred Hicker und Rainer Kammergruber sowie ab 1992 Heiner Hegering. Später, etwa ab 1995, kamen noch Thomas Hegering und Thomas Senninger als Jugendbetreuer hinzu. Die genannten Fünf bilden auch noch 2005 das Jugendleiterteam der Feuerwehr Garching. Dieselbe Überlegung, die zu Einführung des Jugendleiterteams führte, ließ uns auch zu dem Beschluss kommen, nur noch alle zwei Jahre eine neue Jugend-gruppe zu gründen.

1994 übergab Josef Kink den Stab als Verantwortlicher für die Jugendarbeit an Manfred Hicker weiter, der bis heute diese Position innehat. Zu dem Zeitpunkt war bereits die Hälfte der Aktiven, also etwa 40 Feuerwehrleute, durch die Ausbilderhände von OLM Sepp Kink gegangen. Die Organisation der Arbeit war routiniert, der „Output" zuverlässig. Jugendleistungsprüfungen, Jugendwissenstests, Leistungsabzeichen gemäß FwDV 4 bzw. 13 für die älteren Jugendlichen waren selbstverständlich. Die Mischung in der Jugendarbeit, die Sepp aufgebaut hatte und die von Hicker Fredl und seinen weiteren vier Jugendleitern fortgeführt wurde, barg das Erfolgsrezept, nämlich dass außer auf Technik und strenge Richtlinien auch Wert auf Kameradschaft und „Gaudi" gelegt wurde. Hierzu sind auch die vielen Beteiligungen der Jugend an den Bürgerwochen-Festumzügen zu rechnen. Neben dem „Kett-Alysator" erinnere ich mich u.a. an die Truppe „Insekteneinsatz", „Wir lassen nichts anbrennen" und „Mobiler Hausbrand" usw.

Am 22.9.1998 gaben sich die Jugendgruppen eine Jugendordnung, die vom Vorstand des Feuerwehrvereins Hans Schweiger und dem Kommandanten Heinz-Gerd Hegering bestätigt wurde. Damit war der Weg frei für eine offizielle Mitgliedschaft im Kreisjugendfeuerwehrverband, der dem Kreisjugendring angeschlossen ist. 1999 traten die ersten Mädchen in der über 126-jährigen Geschichte der Feuerwehr Garching in die Jugendfeuerwehr ein, es waren Melanie Ehm, Sabine Ehm, Carmela Lubrano und Kathrin Scharl, die Tochter des derzeit amtierenden Kommandanten. Heute hat die Feuerwehr Garching in den zwei Jugendgruppen von 2003 und 2005 immerhin 28 Jugendliche als Feuerwehranwärter, davon sind 8 Mädchen.

Wenn man diesen Beitrag liest, dann wird klar, die Jugendfeuerwehr Garching ist eine Erfolgsstory, dank der hervorragenden Arbeit unserer Jugendbetreuer, dank der steten Förderung durch die drei Kommandanten, dank der  Integrationsbereitschaft der aktiven Mannschaft und, last but not least, dank der Begeisterungsfähigkeit unserer Jugendlichen selbst. Der Nachwuchs ist unser einziges Kapital für die Sicherung der Zukunft der Freiwilligen Feuerwehren. Dazu brauchen wir keine „Draufgänger", wir brauchen Jugendliche, die sich vor Technik und Arbeit nicht scheuen, die Sinn haben für Teamarbeit und Kameradschaft, für Zuverlässigkeit und Verbindlichkeit, aber auch für Ordnung. Dies zu fördern ist eine wichtige Aufgabe in der Jugendarbeit der Feuerwehr.

Wir dürfen stolz sein auf das in den letzten 20 Jahren Geleistete, und deshalb darf und muss das Ereignis auch gefeiert werden. Und es ist angemessen, dass das im Rahmen des Kreisjugendfeuerwehrtages 2005 geschieht, der aus diesem Anlass am 8.10.2005 in Garching stattfindet. Auch hier wartet die Jugend der FF Garching mit einer Neuigkeit auf: sie nimmt zum ersten Mal am Bundeswettbewerb der deutschen Jugendfeuerwehr teil. Hierüber freue ich mich besonders, hätten doch mein Vorgänger und ich das schon vor Jahren gerne gewollt! Es ist zudem schön, dass dazu sogar auch eine Feuerwehrjugendgruppe unserer Partnergemeinde Radeberg anreist, die ebenfalls teilnimmt.

Ich danke allen an der Jugendarbeit der FF Garching Beteiligten und wünsche der Veranstaltung zur Feier des 20-jährigen Bestehens der Jugendfeuerwehr Garching einen guten und erfolgreichen Verlauf. "

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